Kinder nehmen das Rathaus in Besitz
In der Woche der Nachhaltigkeit hatten die Kinderbeauftragte und die Agenda 21 Kinder von Chemnitz eingeladen, um über ihre Vorstellungen von einer kinderfreundlichen Stadt zu diskutieren. Die Kinder nahmen einen Tag lang den Ratssaal und das Rathaus in Besitz. Sie diskutierten gemeinsam mit einigen Erwachsenen, darunter Verwaltungsmitarbeitern. Im Laufe des Tages informierten sich auch Stadtratsmitglieder über die Anliegen der Kinder.
Die Schüler brachten Leben ins Rathaus. Sie nutzten unkonventionell die Rathausgänge, um ihre Vorstellungen zu Papier zu bringen. Daraufhin wurden sie von Fraktionen eingeladen, doch ihre Sitzungsräume zu benutzen. Schön, wie hier Kinderfreundlichkeit praktiziert wurde.
Am Ende des Tages hatten die Kinder formuliert, was sie sich in Chemnitz wünschen, ganz konkret für heute und visionär für übermorgen. Themen wie Mobilität, Umweltschutz, Schule und Freizeit, aber auch das Miteinander von Alt und Jung und Menschen verschiedener Kulturkreise standen auf der Tagesordnung. Mehr Fußgängerampeln und Radwege wurden gewünscht, ebenso mehr Grün in der Innenstadt und sichtbare Solartechnologien in der Innovationsmetropole. Auch über Zukunftsängste wurde gesprochen: über die fehlenden Berufsperspektiven und das damit verbundene Verlassen der Stadt.
Gewalt zwischen rivalisierenden Cliquen und die z.T. einseitigen Angebote der Jugendclubs wurden mit Sorge benannt.
Auch mangelnde Sauberkeit wurde thematisiert. Dabei waren die Schulen, insbesondere die Toiletten, ein wichtiger Kritikpunkt. Spart hier die Stadt an der falschen Stelle? Die Kinder signalisierten auf alle Fälle ihre Bereitschaft, beim Schaffen von Ordnung mitzuhelfen. Auch über Graffitis wurde diskutiert.
Kinder sollten mehr mitreden können war ein wichtiger Wunsch. Warum gibt es nicht mehr solcher Veranstaltungen?
Im Ergebnis dieses schönen und arbeitsreichen Tages gibt es eine Reihe von Vorschlägen, die z.T. recht leicht realisierbar sind. Derzeit werden alle Vorschläge der Kinder dokumentiert, um sie später dem Stadtrat und den Ämtern der Stadtverwaltung zu übergeben. Das Regionalschulamt will Schulleitern die Ergebnisse vorstellen.
Ebenso werden die Gedanken der Kinder in die Leitbilder der Agenda 21 aufgenommen.
Besonderer Dank gilt denen, die sich hier unentgeltlich und mit viel Engagement und Können als Moderatoren zur Verfügung stellten, „Ellli Spirelli“, die für das leibliche Wohl sorgten und der Verwaltung für die Öffnung des Rathauses.
Diese Zukunftswerkstatt hat auch gezeigt, wie mit eigenen Kräften, Engagement und geringen Kosten ein gutes Ergebnis, Beteiligung erreicht werden kann.